PeNum's Praxis-Tipps - Der Weg zum besserem Verständnis der Technik des Fotografierens



Draganizing

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Vorwort

In der digitalen Photographie hat zuletzt immer wieder ein neuer Stil für Furore gesorgt, der besonders Personenphotos plastischer, moderner und teils auch bedrohlicher oder zumindest "stärker" wirken lassen soll. Dieser Effekt wurde maßgeblich von dem bekannten Photographen Andrzej Dragan geprägt, weshalb in diesem Zusammenhang auch der Name "Draganizing" für diese Technik geläufig ist.
Es gibt sicher mehrere Möglichkeiten einen solchen Effekt zu erzielen, die folgende stellt eine Kombination mehrerer Techniken dar und hat sich für mich recht gut bewährt.


Vorgangsweise


Abbildung 1: vorher / nachher

Anmerkung: Alle angegebenen Einstellungen sind leider nur Richtwerte, die von Bild zu Bild verschieden sein können, abhängig von Auflösung (hier 5.0 Megapixel) und Motiv.
  1. Um das Bild auf die Bearbeitung vorzubereiten sollte die Helligkeit über "Bild" > "Anpassen" > "Tonwertkorrektur" oder "Graduationskurven" korrigiert werden, sowie die Farben über "Bild" > "Anpassen" > "Farbbalance" oder auch "Selektive Farbkorrektur" angepasst werden (sofern nötig, nicht jedes Bild ist farbstichig).

  2. Leider eignet sich die Technik nicht sonderlich gut für platt wirkende Bilder. Dem kann allerdings etwas abgeholfen werden, indem man vorher mit dem "Aufheller"- und "Abwedler"-Werkzeug gezielt Kontraste bearbeitet (Schatten betonen mit dem Abwedler auf "Schatten", helle Bereiche mit dem Aufheller mit der Einstellung "Lichter", jeweils mit einem eher geringen Belichtungswert und weicher Kante unter den Pinseleinstellungen) und das Bild so künstlich plastischer werden lässt -- etwa die Augenbrauen, Wangenknochen, bestimmte Falten, je nach Motiv, Geschmack und gewünschter Wirkung.


  3. Abbildung 2: Ein Ausschnitt links unbearbeitet, rechts nachbearbeitet und so weniger platt

  4. Nach abgeschlossener Vorbereitung beginnt nun die eigentliche Bearbeitung: In Ebenenfenster wählt man unter dem Reiter "Kanäle" den Kanal aus, der das beste Schwarzweißbild liefern würde (oft "grün").


  5. Abbildung 3: Der Grünkanal wurde ausgewählt (jetzt ist AUSSCHLIESSLICH er grau hinterlegt).

  6. Nun wird der ausgewählte Kanal als neue Ebene über das eigentliche Bild gelegt (Kanal ist ausgewählt, "Strg + A" um ihn zu markieren, "Strg + C" um ihn zu kopieren, auf "RGB" klicken -- jetzt ist das Bild wieder in Farbe sichtbar. Dann wieder zum Reiter "Ebenen" zurück wechseln und schließlich "Strg + V" drücken, um den Kanal als eigenständige Ebene über das Bild zu legen).
    Danach stellt man den Modus dieser neuen Ebene von "Normal" auf "Überlagern" und ihre Deckkraft auf meist 30--40% -- so stark, dass ein kontraststarkes, aber nicht völlig übertriebenes Bild zu sehen ist. Wer sich nicht sicher ist, ob er den richtigen Kanal erwischt hat, sollte die Prozedur mit einem anderen Kanal zum Vergleich noch einmal wiederholen, vielleicht eignet sich dieser wider Erwarten besser. Fortgeschrittenen Benutzern sei empfohlen diese Kanalebene noch mit der Tonwertkorrektur oder besser der mächtigeren Graduationskurve zu optimieren, um Helligkeit und Grauwerte zu beeinflussen.
    Danach wird das Bild unter "Ebenen" auf eine Ebene reduziert, das Komplizierteste ist nun geschafft ... (Im Fall meines Beispielbildes war keine besonders starke Veränderung der Kanalebene erforderlich, die Mitten der Kanalebene wurden hier über die Graduationskurve leicht aufgehellt)


  7. Abbildung 4: Vor und nach dem Einfügen des Kanals

  8. Jetzt wird die Bildebene dupliziert, indem man diese im Ebenendialogfenster per Drag-&-Drop auf das kleine Symbol links neben dem Papierkorb zieht. Danach wird der Modus der oberen Ebene auf "Flüssiges Licht" gestellt und der "Hochpass"-Filter ("Filter" > "Sonstige Filter") mit einem Radius von etwa 3--4 auf sie angewendet (in meinem Fall waren es 3.1), sowie das Bild wieder auf eine Ebene reduziert.

  9. Als nächstes wird der obere "Hochpass"-Vorgang wiederholt, jedoch mit einem Radius von 7--8, dem Modus "Farbe" und einer verringerten Deckkraft von ~30%. Nicht vergessen, das Bild wieder auf eine Ebene zu reduzieren.

  10. Danach wird wieder die Bildebene dupliziert und auf die Kopie der "Gausssche Weichzeichner" ("Filter" > "Weichzeichnungsfilter") mit einem Radius von 5--6 angewendet. Die Deckkraft dieser oberen Ebene stellt man auf ~50--70% (so, dass das Bild nicht detailarm, aber auch nicht überschärft wirkt).
    Nun kann man die weichgezeichnete Ebene über den Augen sauber wegradieren, wenn man diese im Endeffekt besonders betonen möchte. Häufig ist eine Zwischenlösung mit einem halb deckendem Radierer praktikabel. Und dann ...?
    Natürlich auf eine Ebene reduzieren!
    (Wer möchte kann nun unter "Filter" > "Störungen" > "Störungen hinzufügen" eine leichte Körnung hinzufügen, mir gefällt es nicht, weshalb ich diesen Schritt ausgelassen habe).


  11. Abbildung 5: Der Einfluß der Hochpass-Operationen

  12. Jetzt erfolgt der Schritt mit den wohl größten Auswirkungen auf das Endergebnis, weshalb sich hier das Herumprobieren und Optimieren besonders lohnt. Auf das Bild wird der "Unscharf Maskieren"-Filter angewendet ("Filter" > "Scharfzeichnungsfilter"), der Grenzwert sollte bei 0, der Radius bei 25 bis 30 stehen, die Stärke hängt von Bild und Geschmack ab.
    Fortgeschrittene User können nun bei Bedarf mit einem weichen Protokoll-Pinsel aufgetretene überstrahlende Stellen wieder auf den Stand vor der Unscharfmaske oder sogar vor dem Weichzeichnen bringen.


  13. Abbildung 6: Nach der Kontrasterhöhung mit dem Unscharf-Maskieren-Filter

  14. Nun empfiehlt sich noch eine Anpassung der Sättigung ("Bild" > "Anpassen" > "Farbton/Sättigung"), so erforderlich.

  15. Zuletzt macht es sich oft gut, noch eine Sepiatönung hinzuzufügen ("Bild" > "Anpassen" > "Fotofilter", dort Sepia als Farbton auswählen, die Deckkraft betrug in meinem Fall 40%).
Fertig, das Endergebnis gab es bereits oben im "Vorher/Nachher"-Bild zu sehen.


Schlusswort

Respekt dem, der bis hier durchgehalten hat ...


Mein Dank geht an unseren User FLA5H für diesen Beitrag zum Thema fortgeschrittene Bildnachbearbeitung.

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